Kapitalismus vs. Fette Jahre

Gestern im Fernsehen bei den letzten 20 Minuten von Weingärtners „Die fetten Jahre sind vorbei“ in der ARD hängengeblieben. Ich verstehe einfach nicht, warum einige meiner GenossInnen diesem Film solche Sympathien entgegenbringen.

Der Film kritisiert NICHT die herrschenden Besitz- und Verwertungsverhältnisse. Zeigt NICHT wie ein Wirtschaftssystem dessen einziges Ziel Wachstum ist und in welchem die Produktionsmittel von wenigen kontrolliert werden, große Teile der Welt in Armut stürzt, insgesamt den gesellschaftlich erwirtschafteten Reichtum ungleich und nicht an Bedürfnissen orrientiert verteilt.
Menschenverachtende Produktionsverhältnisse und Hunger in der 3. Welt werden zwar thematisiert, aber es wird nie die Frage gestellt, welche Produktions- und Herrschaftsverhältnisse diese Phänomene verursachen.
Es wird kritisiert das wenige viel besitzen. Dem wird nicht eine (technisch schon heute weltweit) mögliche Gesellschaft gegenübergestellt, in der alle in materiellen Reichtum leben können, wenn sie es denn wollen.
Das Ideal des Filmes ist (Orginalzitat:) „Arm aber glücklich“. Also, begnüge dich mit dem, was im Kapitalismus für dich abfällt. Und statt die Produktionsverhältnisse umzuwälzen, und den produzierten Reichtum für alle zugänglich zu machen: Schieb lieber eine Runde Sozialneid.
Kein Wunder das sowas in der ARD läuft.

Lustig fand ich, dass danach in den Tagesthemen ein unglaublich hetzerischer und unausgewogener Beitrag über die Menschen lief, die militant gegen Stadtumstrukturierung und Vertreibung durch Mieten in Berlin kämpfen – von der Moderation als quasi böses Gegenstück zu den ProatsgonistInnen von den fetten Jahren angkündigt.
Warum sind die berliner Autonomen unsymphatischer? Sind es die Mittel die sie anwenden? Das sie „nur“ Häuser beschädigen und Autos anzünden anstatt einzubrechen und Menschen zu verschleppen?
Oder liegt es doch eher daran, das sie real existent sind, und sich als antikapitalistisch verstehen? (Wieviele von ihnen es wirklich sind, lasse ich hier mal dahingestellt…)

P.S.: Was ich an den fetten Jahren gut finde ist die Musik von Jeff Buckley:


3 Antworten auf „Kapitalismus vs. Fette Jahre“


  1. 1 butch jonny 23. Juli 2009 um 14:38 Uhr

    … hinzu kommt, daß sich hinter eienr pseudoauthentizität echt schelchtes schauspiel versteckt. insbesondere bei den „klassenkämpferischen“ dialogen spürt mensch, daß die schauspieler_innen gar nicht, was sie da reden. sie können sich offensichtlich nicht identifizieren und zitieren lediglich. (das einzige, was funktioniert, ist die liebesgeschichte.)

    die überfälle sind übrigens sehr dilettantisch und zeigen, daß die drehbuchleute, der regisseur keine ahnung haben, wie weshalb warum,. kein wunder also, daß die schauspieler_innen nixht wissen, wie sie ‚revolte‘ / ‚militanz‘ spielen sollen.

  2. 2 Naja 29. Juli 2009 um 14:00 Uhr

    Oho jetzt wird hier schon schapielerisches Können bewertet… interessant.
    Also auch wenn ich inhaltlich mit euch übereinstimme muss ich sagen ich hab den Film trotzdem gerne geguckt.
    Vielen Filmen die mensch guckt fehlt es an Authenzität, meist werden Dinge falsch dargestellt und manchmal schreiben Filmemacher sich einen revolutionären Inhalt aufs Cover der Innen leider fehlt.

    Hab den Film trotzdem gerne geguckt. Da wollte ich eigentlich nur sagen.

  1. 1 Melancholie gegen den Krieg « Analyse, Kritik & Aktion Pingback am 27. Juli 2009 um 9:11 Uhr
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